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Erleben und Fühlen

Erleben und Fühlen

Ein Text von Annika Rindsfüser

Es ist ein warmer Tag in Venedig und wir sind mit der BMS Klasse auf der Biennale 2024. Auf unserem Weg durch die verschiedenen Pavillons, kommen wir auch am deutschen Pavillon vorbei und wollen diesen natürlich besichtigen gehen. Also trete ich ein, doch was mich erwartet, hätte ich von aussen nicht gedacht. 

Ich komme in einen dunklen Raum, höre ein stetiges Pochen, eine Melodie, die nicht von dieser Erde zu sein scheint und sehe aus dem Augenwinkel Licht. Diesem Licht wende ich mich zu, denn es scheint zu rotieren und als ich in den Raum hineinblicke, erwartet mich etwas Schwebendes, etwas Unheimliches. Es sieht fast aus wie ein auf mich zukommendes Raumschiff, gleichzeitig denke ich aber an ein Molekül. Hinter diesem hängenden Objekt ist das mittig drehende Licht, welches sich in Streifen um dieses Raumschiff bewegt. Sonst ist alles dunkel, der Raum hat kein Ende. Es fühlt sich an, als wäre ich in einem Star Wars Film gelandet und begeistert mich sehr. Genau auf solche Interventionen, welche mich in eine andere Dimension bringen, total immersiv sind, mich vergessen lassen, wo ich gerade bin und welche Zeit herrscht, hatte ich an der Biennale gehofft, denn es gibt nichts Langweiligeres als den White Cube mit ausgestellten Bildern.

Als ich den Raum wieder verlasse und weiter gehe, hört das Pochen auf und es ist nur noch die Melodie zu hören. Eine grosse Leinwand ist zu sehen und gegenüber steht ein Bau aus Lehm. Ich betrete diesen und lande zuerst in einem Kellergeschoss. In der Mitte des Lehmbaus ist eine Wendeltreppe und als ich diese hochgehe, bin ich in einem eingerichteten Haus. Es ist alles voller Staub und Sand und es sieht aus wie in einem Kriegsszenario. Die Musik hat sich geändert, ist tragischer geworden und trägt zu dem Gefühl bei, dass dies alles ein Kriegsszenario ist. Dieses Lehm Gebäude ist aufgebaut wie eine Wohnung: es gibt ein Bad, ein Wohnzimmer, Schlafzimmer und eine Küche und das über drei Stockwerke. Die ganze Szenerie ist beeindruckend. Beängstigend. Aber vor allem ist sie erdrückend. Ich gehe weiter durch das Haus und das bedrückende Gefühl wird immer stärker. 

Diese Intervention und die aus dem ersten Raum nimmt mich komplett ein, und zieht mich in eine andere Welt. Ich vergesse komplett, dass ich in Venedig bei ca 30 Grad unterwegs bin und genau das ist (die) Kunst für mich. Menschen in eine andere Welt versetzen, sie anders fühlen lassen und die Kunst als Erlebnis erfahrbar machen.

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