Daddy Issues
Daddy Issues
GAMMEL STRAND COPENHAGEN: EXHIBITION DADDY ISSUES, Ausstellungsbesuch 13.02.2026
Ein Text von Andree Pun
An einem kalten Wintertag in Kopenhagen stolperten meine Freundin und ich eher zufällig in ein Kunst- und Kulturzentrum. Neugierig erkundigten wir uns an der Rezeption nach der aktuellen Ausstellung und entschieden uns spontan für Daddy Issues. Bereits der thematische Fokus, die Rolle des Vaters im Spannungsfeld zwischen soziokulturellen Erwartungen und persönlicher Erfahrung, machte deutlich, dass uns hier keine oberflächliche Schau erwartete, sondern eine vielschichtige Auseinandersetzung.
Die Ausstellung versammelt 26 überwiegend europäische Künstler:innen mit starkem dänischem Schwerpunkt und spannt einen Bogen von etablierten Positionen wie Asger Jorn oder Niki de Saint Phalle bis hin zu jungen zeitgenössischen Stimmen. Im Zentrum steht die komplexe Vater-Kind-Beziehung in all ihren Facetten: Fürsorge und Abwesenheit, Nähe und Distanz, Idealisierung und Ablehnung. Auffällig ist dabei, wie konsequent die Ausstellung eine Leerstelle adressiert, während Mutterschaft seit Jahrzehnten breit verhandelt wird, bleibt die Vaterfigur in der bildenden Kunst oft unterrepräsentiert.
Gleich zu Beginn wurden wir mit Fragen konfrontiert, die sich direkt an die Besucher:innen richten: „Dear Dad, is there something you never got to tell your father?“ Diese Worte setzten einen intimen Ton und öffneten einen Raum, der weit über die reine Betrachtung hinausgeht. Die Ausstellung startet mit der Einladung, selbst einen Brief an die eigene Vaterfigur zu verfassen, ein Moment, der unmittelbar verdeutlicht, dass es hier nicht nur um Kunstwerke, sondern um eine kollektive, tief persönliche Erfahrung geht. Unabhängig davon, ob die Beziehung zum Vater von Nähe oder Konflikt geprägt ist, hinterlässt sie Spuren, die uns auf emotionaler Ebene miteinander verbinden.
Über vier Etagen hinweg entfaltet sich ein dichtes Geflecht aus Malerei, Skulptur, Film, Fotografie und Installation. Besonders eindrücklich blieb mir die Arbeit von Markus Öhrn. In einer fotografischen Montage zeigt er das Haus seines Grossvaters, ein Ort, der nach aussen für handwerkliche Präzision und gesellschaftliches Ansehen steht, im Privaten jedoch von patriarchaler Strenge geprägt war. Die Arbeit reflektiert eindringlich, wie Machtstrukturen und familiäre Dynamiken über Generationen weitergegeben werden und sich sowohl im Schönen als auch im Brutalen manifestieren.
Gerade darin liegt die Stärke der Ausstellung: Sie verharrt nicht in Anklage oder Nostalgie, sondern eröffnet einen Raum für Reflexion. Viele Arbeiten lassen erkennen, wie stark sich eine jüngere Generation mit sogenannten „generational traumas“ auseinandersetzt und versucht, diese bewusst zu durchbrechen. Das verleiht der Ausstellung eine leise, aber spürbare Hoffnung.
Daddy Issues ist mehr als eine thematische Gruppenschau, sie ist eine Einladung, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und gleichzeitig die gesellschaftliche Konstruktion von Vaterschaft neu zu denken. Wer sich darauf einlässt, wird nicht nur mit Kunst konfrontiert, sondern auch mit sich selbst.








Bildlegende:
Abb.1: Eingang des Kulturzentrums “Gammel Strand”
Abb. 2 : Installation von Niki de Saint Phalle
Abb. 3: Treppenhaus mit lustiger Karikatur
Abb.4: Silver Sculpture by Levi De Jong titled “Family Meal”
Abb.5: Meine Freundin in der Ausstellung
Abb.6: Skultur Installation, Titel: “Ophelia’s Awaken-ing” von Selma Selman
Abb. 7: Einleitungstext am Anfang der Führung
Abb. 8: Wall Art Collages von Walker Bankson Polaroid
Abb. 9: Diverse Skulpturelle Installationen



