WHEN WE SEE US
WHEN WE SEE US
Ein Text von Victoria Njoki
Ich achte in Ausstellungen immer auf die Wandfarbe. Sie beeinflusst, wie Werke wahrgenommen werden, welche Stimmung ein Raum erzeugt, ob Malerei atmet oder erstickt. Meistens ist sie neutral gehalten, ein stilles Weiss, das sich zurückzieht. In „When We See Us“ im Kunstmuseum Basel war das anders. Jeder Stock, jeder Raum hatte eine eigene, gezielt gewählte Farbe, die auf schwarze Haut abgestimmt war. Die Töne schmeichelten den dargestellten Körpern, traten in einen echten Dialog mit den Gemälden und schufen eine Harmonie zwischen Raum und Werk, die ich selten so deutlich gespürt habe.
Weil ich sonst immer auf die Wandfarbe achte, hat mich dieser Entscheid hier umso mehr begeistert. Er war kein gestalterisches Beiwerk, sondern eine Aussage.
Die Ausstellung versammelte über 100 Künstlerinnen und Künstler afrikanischer Herkunft und entfaltete dabei ein Panorama, das in seiner Dichte und Konsequenz beeindruckend war. Was „When We See Us“ von vielen Ausstellungen unterscheidet, die sich mit Schwarzer Geschichte oder Identität befassen, ist die Perspektive.
Schwarze Menschen werden in der Kunst häufig von aussen betrachtet, durch einen weissen Blick definiert und fast ausschliesslich im Kontext von Leid und Unterdrückung dargestellt. Diese Ausstellung verweigerte diesen Blick vollständig. Sie zeigte Kunst von Schwarzen Menschen für Schwarze Menschen. Werke, die Freude, Intimität, Alltag und Würde in den Mittelpunkt stellen.
Das ist eine kuratorische Entscheidung mit politischer Tragweite. Denn wer bestimmt, welche Geschichten erzählt werden und aus welcher Perspektive, formt das kollektive Bild einer Gemeinschaft. Indem „When We See Us“ nicht das Trauma in den Vordergrund stellt, sondern die Lebendigkeit, macht die Ausstellung sichtbar, was so oft unsichtbar bleibt: dass Geschichte nicht nur aus Schmerz besteht, sondern aus einer tiefen, vielschichtigen Normalität.Ich halte diese Ausstellung für eine der wichtigsten, die ich je besucht habe.





Bilder: Aufnahmen von Victoria Njoki



