Mehr Licht bei «Mehr Licht»?
Mehr Licht bei «Mehr Licht»?
Ein Text von Anja Drexler
Bevor ich die Ausstellung «Mehr Licht» im Aargauer Kunsthaus besuchte, wollte ich mir vorab einen kleinen Einblick verschaffen. Ich habe mir die Onlinebeschreibung durchgelesen, in der von den Spuren der Videokunst und der Allgegenwärtigkeit bewegter Bilder die Rede ist. Von frühen Röhrenbildschirmen bis hin zu zeitgenössischen Videoarbeiten, die mal poetische, mal radikale Eindrücke festhalten.
In meinem Kopf entstand dabei schnell eine eigene Vorstellung davon, wie diese Ausstellung aussehen könnte. Ich stellte mir Räume vor, die von Licht durchflutet sind, grossflächige Videoinstallationen, die den Raum einnehmen und die Besucher: innen in eine immersive Erfahrung ziehen. Ein Zusammenspiel von Farbe, Ton und Kuration, das auf die einzelnen Werke abgestimmt ist und jedem Raum eine eigene, spürbare Stimmung verleiht.
Mit genau dieser Erwartung komme ich dann im Kunsthaus an. Gemeinsam mit meinen Mitstudierenden werden wir freundlich empfangen und dürfen im Rahmen einer Spezialstudienwoche an einer privaten Führung teilnehmen. Noch bevor wir die ersten Räume betreten, bin ich gespannt, wie sehr sich meine Vorstellungen mit der tatsächlichen Ausstellung decken.
Im ersten Raum erwartet mich die Videoarbeit «Fire Piece» von Nam June Paik. Die Installation besteht aus gestapelten alten Fernsehgeräten, auf denen flackernde Aufnahmen von Flammen zu sehen sind. Die Bildschirme sind dabei nicht nur einfache Bildträger, sondern bilden gleichzeitig eine skulpturale Anordnung im Raum. Der Raum selbst ist weiss, aber bewusst abgedunkelt, sodass die Installation stärker zur Geltung kommt. Das hat mich direkt gepackt und dazu gebracht, einen Moment stehen zu bleiben und genauer hinzusehen.
Mit diesem ersten Eindruck wächst auch mein Interesse, mehr von der Ausstellung zu sehen und wir gehen weiter in den nächsten Raum. Dort stehen erneut mehrere alte Bildschirme auf einem Hochtisch, auf denen spannende Aufnahmen laufen. Trotzdem wirkt der Raum insgesamt eher leer und karg, was bei mir relativ schnell das Bedürfnis auslöst, weiterzugehen und mich nicht lange damit aufzuhalten.
Dieses Hin und Her zwischen Interesse und Distanz begleitet mich durch die Ausstellung. Es liegt dabei weniger an den einzelnen Werken, sondern vielmehr an den Räumen, in denen sie gezeigt werden. Die Räume, die mich wirklich angesprochen haben, sind jene, die eine klare Atmosphäre schaffen und den ganzen Raum einnehmen, also genau das, was ich mir unter «Mehr Licht» vorgestellt habe.Die Ausstellung hat einige spannende Eindrücke hinterlassen. Trotzdem fehlte mir eine stärkere Auseinandersetzung mit den Räumlichkeiten, sodass diese besser auf die einzelnen Werke abgestimmt wären und dadurch zusätzliche Tiefe erzeugen könnten. Mit etwas mehr «Licht», im wörtlichen wie im übertragenen Sinne, hätte die Ausstellung für mich noch besser funktioniert.



Bildlegenden:
Abb. 1: Nam June Paik «Fire Piece», 1992 | Foto von Anja Drexler
Abb. 2: Werner von Mutzenbecher «I / 68 Dinge», 1968 | Foto von Anja Drexler
Abb. 3: Nick Walter «What could be? That could have been me», 2026 | Aufnahme von Anja Drexler
Abb. 4: Emmanuelle Antille «Angels Camp – First Songs», 2003/2004 | Foto von Anja Drexler



