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Abb. 01

Zwischen High Heels, Hormonen und Haltungen

Zwischen High Heels, Hormonen und Haltungen

Ein Text von Sofia Nicolini

Eigentlich wollte ich im Stapferhaus in Lenzburg nur die Ausstellung «Geschlecht» besuchen. Doch was ich erlebte, fühlte sich weniger nach Museum an und viel mehr nach einer Reise durch das Kaninchenloch von Alice in Wunderland. Ich habe selten erlebt, dass ein Thema, das oft so kompliziert diskutiert wird, so magisch und greifbar verpackt wurde.
Schon beim Betreten der Ausstellung hatte ich dieses Gefühl, das man sonst nur aus Filmen wie «Narnia» oder «Charlie und die Schokoladenfabrik» kennt: Man tritt durch eine Tür, oder einen Schrank im Falle Narnias, und befindet sich plötzlich in einer komplett eigenen Welt. 
In unserem Fall betreten wir diese Welt durch eine gigantische Blume. 

Die Szenografie im Stapferhaus hat mich unglaublich beeindruckt. Jeder Raum ist von oben bis unten, vom Boden bis und mit zur Decke, so detailverliebt gestaltet, dass ich mich wie ein kleines Kind gefühlt habe. Ich wusste gar nicht wo ich zuerst hinschauen sollte. Ich konnte mich an den Farben und Formen kaum sattsehen. 

Besonders gefallen hat mir der Ablauf. Anfangs fühlte ich mich noch sicher an der Hand geführt. Aber je weiter ich vorgedrungen bin, desto mehr durfte ich selbst entscheiden. Ich konnte mir meinen eigenen Weg durch die Ausstellung suchen, genau dort stehen bleiben, wo es mich faszinierte und die Welt in meinem Tempo entdecken. Anstatt nur zuzuschauen, wird man dazu eingeladen, die eigene Identität selbst zu entdecken.

Das Beste war aber, das man überall selbst Hand anlegen konnte. Es war kein «Bitte nicht berühren» Museum, sondern ein riesiger Abenteuerspielplatz für Erwachsene. Ich konnte mir die Nägel lackieren oder bei einer Modenschau mitmachen. Diese und viele mehr interaktiven Momente haben so viel Spass gemacht, dass man dabei gar nicht merkt, wie viel man eigentlich gerade lernt. Das Wissen wird einem nicht eingetrichtert, sondern man hat es buchstäblich aufgesaugt, weil man mitten drinsteckte.

Die Ausstellung zeigt, dass Wissen, nicht trocken sein muss. Durch die fantastische, immersive Gestaltung wurde ein wichtiges gesellschaftliches Thema zu einem Erlebnis, das mich tief berührt hat. Sehr tief, wenn man bedenkt, dass ich die Ausstellung vor 7 Jahren besucht habe und immer noch daran denke. Ich bin damals mit dem Gefühl nach Hause gegangen, nicht nur etwas über Hormone oder Rollenbilder gelernt zu haben, sondern auch ein Stück weit über mich selbst. Und das alles mit dem Staunen eines Kindes, das gerade eine neue Welt entdeckt hat.

Bildlegende:

Abb.1: Eingang zur Ausstellung
https://arttv.ch/mehr/stapferhaus-lenzburg-geschlecht-jetzt-entdecken/

Abb.2: «Mädchenzimmer»
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Abb.3: Letzter, grosser Ausstellungsraum https://messerli.live/mit-allen-mitteln-der-kunst/

Abb.4: Hotline: Antworten auf kleine und grosse Sex-Fragen
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Quellenverzeichnis:
Stapferhaus. 2022. Schlussbericht: Geschlecht digital. Lenzburg: Stapferhaus.
https://backend.stapferhaus.ch/assets/uploads/Schlussbericht_Gechlecht_digital.pdf

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