Fast übersehen!
Fast übersehen!
Ein Text von Catalina De Angelis
Schätze befinden sich meistens im Keller oder unter der Erde. Genau so fühlt sich auch der Einstieg in die Ausstellung Schatzfunde – versteckt, verschollen, entdeckt im Historischen Museum Basel an.
Gleich am Anfang werde ich empfangen von kurzen Filmausschnitten. Szenen, die man kennt, Indiana Jones und Fluch der Karibik. Ich bleibe kurz stehen, es holt mich direkt ab und ich merke, wie Kindheitserinnerungen hochkommen.
Dann gehe ich weiter in den Vorraum. Ein kurzer Einblick in einen Schatzfund, nicht zu viel, eher ein erstes Herantasten. Genau genug, um neugierig zu werden und weiterzugehen.
Im nächsten Raum sehe ich eine Karte von Basel und versuche mir vorzustellen, in welche Richtung die Ausstellung gehen wird. Sie wirkt wie eine Orientierung, vielleicht auch wie ein erster Hinweis darauf, dass man hier selbst etwas entdecken muss. Gleich um die Ecke entdecke ich Wände voller Buchcovers, Bücher über Schätze und Abenteuer. Ein paar erkenne ich sofort wieder, was sich kurz vertraut anfühlt.
In der Ausstellung selbst wird es dann dunkler. Ich bewege mich zwischen den Vitrinen, links und rechts eingefasst in Filz, der alles etwas ruhiger und gedämpfter wirken lässt. Es hat etwas geheimnisvolles.
Was mir auffällt, sind die vielen Mitarbeitenden im Raum. Für die eher kleine Fläche sind es überraschend viele und ich frage mich automatisch,
wie wertvoll die ausgestellten Schätze sein müssen.
Zwischen den Glasvitrinen mit den Texten stehen am Boden Kisten. Ziemlich unscheinbar, fast so, dass sie im ersten Moment gar nicht auffallen. Die erste übersehe ich komplett. Erst später bleibe ich bei einer stehen. Eine Frage, drei Antworten, ein Schloss. Um sie zu benutzen, muss ich mich bücken, was nicht besonders bequem ist. Gleichzeitig macht genau das etwas mit mir, weil ich automatisch genauer hinschaue und bewusster suche.
Dieses Prinzip zieht sich durch die ganze Ausstellung. Es gibt mehrere interaktive Stationen, ein Wimmelbild, bei dem man herausfinden muss, wer was sucht, einen grossen Kasten mit Erdschichten, bei dem man Schubladen öffnen und durch Gucklöcher schauen kann, und auch eine Wand zum Zuordnen.
Ich merke dabei, dass ich nicht nur Besucherin bin, sondern selbst Teil der Ausstellung werde und aktiv etwas entdecken soll.
Gleichzeitig bleiben viele dieser Elemente eher unscheinbar. Man kann sie leicht übersehen oder sie wirken eher so, als wären sie für Kinder gedacht.
Die Kisten am Boden oder die tief platzierten Gucklöcher sorgen dafür, dass man sich immer wieder bücken oder sogar fast hinknien muss.
Das passt zwar zum Thema des Grabens und Entdeckens, schafft aber auch eine gewisse Distanz. Am Ende gehe ich raus und denke, dass genau das der Punkt ist. Man soll suchen. Die Ausstellung macht das konsequent. Aber manchmal so konsequent, dass man Dinge nicht nur entdeckt, sondern auch leicht verpasst.




Bildlegenden:
1. Seitenansicht Erdschichten, eigene Aufnahme
2. Geöffnete Schublade Kasten, eigene Aufnahme
3. Spiel: Scherben richtig zuordnen, eigene Aufnahme
4. Schatztruhe, eigene Aufnahme
5. Spiel: Fehlende Teile richtig zuordnen, eigene Aufnahme



